úterý 4. března 2025

Reclams Opern und Operettenführer

HERAUSGEGEBEN


CLAUDIO MONTEVERDI

* (getauft 15.) Mai 1567 in Cremona † 29. November 1643 in Venedig Den ersten Musikunterricht empfing Monteverdi in seiner Vaterstadt. Nach seiner Ausbildung trat er 1590 als Sänger und Geiger in die Dienste des Herzogs von Mantua, der ihn 1601 zu seinem Kapellmeister machte. Diesen Posten vertauschte er 1613 mit dem Kapellmeisteramt in S. Marco zu Venedig. Monteverdi führte die damals noch junge Gattung der Oper auf eine erste Gipfelhöhe, er darf als einer der größten Musikdramatiker aller Zeiten gelten. Von seinen zahlreichen Werken sind nicht alle, einzelne nur in Bruchstücken erhalten. Von diesen sind stilbildende Kräfte sowohl für die Gesangs- als auch für die Orchesterbehandlung ausgegangen.


L'Orfeo

Favola in musica in einem Prolog und 5 Akten von A. Striggio.

Bearbeitet von A. Wenzinger (1955), von N. Harnoncourt (1975) und anderen. Uraufführung 22. Februar 1607 in Mantua Alessandro Striggio (um 1573-1630), Sohn des bekannten Madrigalkomponisten gleichen Namens, war erst Violinist und Lyraspieler am Hofe in Mantua, stieg bis zum Kanzler des Herzogtums auf. August Wenzinger, *1905 in Basel, Violoncellist und Gambist, seit 1934 Lehrer und Leiter der Konzertgruppe der Schola Cantorum Basiliensis, 1954-58 Leiter der Capella Coloniensis des WDR Köln.


Nikolaus Harnoncourt, * 1929 in Berlin, österreichischer Cellist und Dirigent, Gründer des > Concentus musicus (1953), eines Ensembles, das alte Musik auf teilweise rekonstruierten Originalinstrumenten spielt. Seine Monteverdi-Interpre tationen am Opernhaus Zürich, zusammen mit dem Regisseur und Bühnenbildner

Jean-Pierre Ponnelle, lösten in den siebziger Jahren eine Monteverdi-Renaissance aus.


Personen: Genius der Musik (Sopr.) - Orpheus (Ten.) - Eurydike, eine Nymphe (Sopr.) - 2 Botinnen (Alt und Sopr.) - Hoffnung (Mezzosopr.) - Charon (Baß) - Proserpina (Sopr.) - Pluto (Baß) - Apollo (Ten.) - Nymphe (Sopr.) – Vier Schäfer (Alt, Ten., Baß) - Drei Unterweltsgeister (Ten. und Baß). Hirten und Hirtinnen.

Unterweltsgeister. Neun Musen.

Ort und Zeit: Thrakien und Unterwelt in mythischer Vorzeit. Handlung: Prolog. Die Allegorie der Musik rühmt die Macht der Töne, durch die der thrakische Sänger und Lyraspieler Orpheus die wilden Tiere zähmte und sich das Tor zur Unterwelt erschloß.

1. bis 5. Akt. Hirten und Nymphen feiern die Hochzeit von Orpheus und Eurydike. Nach dem Gang zum Tempel besingt Orpheus in einem schattigen Hain sein Liebesglück. Es wird jähzerstört durch die Botschaft, daß Eurydike beim Blumenpflükken durch einen Schlangenbiß getötet worden ist. In seinem

Schmerz entschließt sich Orpheus, in das Totenreich hinabzusteigen und Pluto, den Gott des Hades, zur Rückkehr Eurydikes zu bewegen oder mit ihr dort vereint zu bleiben. Von der Hoffnung geführt, gelingt es ihm, Charon, der ihm die Fahrt über den Totenfluß verweigert, in Schlaf zu senken mit seinem

Gesang, und dank Proserpinas Fürsprache erlaubt ihm Pluto, Eurydike zurückzuführen, aber nur unter der Bedingung, daß er sie nicht ansieht, ehe der Hades verlassen ist. Voll Zweifel, ob sie ihm wirklich folgen dürfe, und von Liebe überwältigt, wendet sich Orpheus doch nach ihr um – und verliert sie für

immer. Den verzweifelten Sänger erhebt Apoll voll Mitleid zu sich in den Himmel des Olymp, wo er »in der Sonne und in den Sternen« Eurydikes schöne Gestalt wiedererkennen werde.

Musik: Der hohe künstlerische Rang des Werkes geht zurück auf die ausdrucksvolle Deklamation der Einzelstimmen, im Stil einer »Musica affetuosa«, die szenische wie seelische Situationen gleich sprechend widerzuspiegeln fähig ist. Während der Fortschritt der Handlung hauptsächlich im Rezitativ geschieht, werden die ariosen Partien zu gefühlsmäßigen Höhepunkten. Der Chor dient gleicherweise der Betrachtung wie der Belebung des Geschehens und als wirksames Steigerungsmittel für die Höhepunkte der Handlung. Hervorragend ist außerdem der Anteil des nach Brauch der Zeit reich besetzten Orchesters mit seinem

orgelmäßigen Klangcharakter. Zahlreiche Instrumentalsätze bewirken Verdichtung der szenischen Stimmung. Auch ein frühes Beispiel der Opernouvertüre bietet L'Orfeo. Der erste, »Toccata« genannte Teil ist aus der alten Eröffnungsfanfare entwikkelt; das Ritornell deutet in seiner elegischen Färbung auf den

tragischen Gehalt der Vorgänge hin.

Eine freie Bearbeitung des Monteverdischen Originals schuf Carl Orff; mit der Klage der Ariana und dem Tanz der Spröden zusammen hat der moderne Komponist seinen Orfeo unter dem Titel Lamenti zu einem dreiteiligen Theaterabend zusammengefaßt.

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